Samstag, 16. Juli 2016

Altersschwacher Maikäfer on tour!

Gestern ist es passiert!
Kaum zu glauben, dass ich euch berichten kann, was ich gleich berichten werde, aber ich kann tatsächlich!

Irgendwann am Tag gab ein freundlicher Paketbote eine kleine Lieferung beim Nachbarn ab, darin enthalten zwei Sport-BHs, die ich mir nach eigenhändiger Ausmessung meines Umfanges und einer ordentlichen Portion Pi-mal-Daumen kurzerhand im Internet bestellt hatte. Als ich am frühen Abend zu Hause war, konnte ich sie in Empfang nehmen, musste natürlich sofort anprobieren, und was soll ich sagen: Pi-mal-Daumen war genau richtig. Passt perfekt!
(An dieser Stelle darf ich stolz verkünden: Zumindest beim Unterbrustumfang bin ich nun schon mal ein UHU! Der andere UHU wird sicher irgendwann noch nachziehen.)

Ab dem Moment war ich Tiger im Käfig!
Es juckte mir in den Füßen, die Hummeln führten wahre Prachttänze in meinem Hintern auf, und das Adrenalin pumpte durch den Körper, obwohl ich augenscheinlich entspannt an der Küchentheke lehnte.
Ich wollte raus!
Laufen!
Oder walken.
Zumindest 'ne Runde spazieren gehen.

Vor das Rausgehen hat der liebe Arbeitsgott die Rückkehr des Mannes von derselbigen gesetzt, und so tigerte ich noch einige Stunden wie über glühende Kohlen laufend durch die Wohnung, bevor ich endlich um 21 Uhr los konnte.

Ich schlug mich sofort bei uns hinten in die Felder, startete zunächst einmal Spotify für den richtigen Beat unter den Füßen und Runtastic, weil ich Zahlen- und Statistikfan bin. In solchen Angelegenheiten.
(An dieser Stelle Memo an mich: Oberarm-Manschette fürs Handy bei der Post abholen!)




Wie ich da nun am Sonnenuntergang vorbei durch die Felder walkte und der fetzige Beat im Ohr meine zierlichen Gr.43/44-Füßchen vorwärtstrug, drängte sich perfide schleichend der Gedanke an die 5k-App immer weiter in den Vordergrund.
In der Bude auf der Stelle kann ja jeder.
Sollte ich es tatsächlich einmal mit Tag 1 der ersten Woche draußen im Freien, also richtig VORWÄRTS laufend, versuchen?!
Ich? Misses Nullkondition in Person?

Ich ließ meinen Blick kurz durch die Felder schweifen, doch zu meinem Bedauern zeigte sich keine menschliche Ausrede, ich war mutterseelenallein auf weiter Flur.
"Nun denn, es soll wohl so sein", dachte ich und startete zusätzlich zu allem anderen auch noch die ich-mach-dich-fit-für-5-Kilometer-Jogging-App.

Ihr lieben Leute, Mitstreiter, Punktezähler, Sportlichwerdende, ich habe es getan!
Und noch viel besser: Ich habe es überlebt! (Unschwer zu erkennen.)
Ich habe das erste Intervalltraining meiner bisher sehr kurzen Joggingkarriere absolviert. Komplett!

Ich!
Bin!
Gejoggt!

Gut, es waren nur insgesamt 6 Minuten, unterbrochen von sechs eieinhalbminütigen Walkingeinheiten, und anschließend konnte man mich auswringen und zum Trocknen über den Weidezaun hängen, aber who cares?! Ich habe es geschafft!
Ich habe die kompletten 25 Minuten durchgehalten, und vor allem habe ich jede der sechs verdammten Joggingminuten durchgezogen!

Es ist noch keine sieben Monate her, da dümpelte ich mit über 155kg Lebendgewicht auf der Couch herum, das höchste Maß der Bewegungsgefühle bestand in den notwendigen Wegen, die man als Mutter von zwei Kinder nun einmal auf sich zu nehmen hat, und nun?
Nun beginne ich tatsächlich mit über 40kg weniger auf den Rippen mit dem Laufen!
Ist das zu fassen?

Dass ich gepumpt habe wie ein altersschwacher Maikäfer lasse ich an dieser Stelle unerwähnt.
Und dass ich während der ganzen letzten Joggingminute laut nach dem erlösenden Sie-haben-fertig-Signalglöckchen gerufen habe, während ich mich Schritt für Schritt durch die Pampas schleppte, das verschweige ich euch ebenfalls.
Desweiteren erwähne ich den Muskelkater nicht, der mich heute leider wahlweise an Bett, Stuhl oder Couch fesselt.
Auch ich habe meinen Stolz.

Ganz ehrlich: Im Moment ist für mich unvorstellbar, dass ich jemals fünf Minuten, geschweige denn fünf KILOMETER am Stück laufen können soll, ich glaube vielmehr, meine absolute Schmerzgrenze ist bei etwas über 2 Minuten erreicht, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.
Mein Ehrgeiz ist geweckt!

Hoffnung gibt in jedem Fall, dass ich nach diesem 25minütigen Intervalltraining nicht erschlagen auf dem Boden lag, sondern noch recht entspannt weitere rund 5km walken konnte.
Alleine das ist einen Tusch wert!

Montag, 11. Juli 2016

Abnahme ist Abnahme

Diese Woche hat mich einiges gelehrt, und ich übe mich in Demut.

1. Die Thematik "Essen, wenn ich jede Menge Streß habe und mir alles viel zu viel wird" oder kurz: "Reinschaufeln, was der Frust hergibt" ist auch nach rund sechs Monaten diszipliniertem Leben als WeightWatchie noch lange nicht vom Tisch.
Positiv aber: Ich habe meine verfutterten Punkte nicht auf einen Wert jenseits von Gut und Böse katapultiert, ich habe die mir zur Verfügung stehenden Punkte nur nicht ganz so umsichtig wie die Monate zuvor verbraten. Nicht ein bisschen umsichtig. Überhaupt gar nicht!
Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer wandelt sich das gerade noch "positiv" in ein "naaaa ja, das geht aber besser!".

2. Es ist nicht nur wichtig, DASS man in den Punkten bleibt, sondern es spielt auch eine ganz entscheidende Rolle, WIE man sie umsetzt.

Kurzes Beispiel:
Frau K. frühstückt lecker Quark mit Obst und was Knusprigem für die Beißerchen drin, mittags gibt es Toastie-Burger mit viel Salat oder Schmackofatz-Wraps mit magerem Fleisch/Fisch, leckerleichtem Sößchen und Grünzeug oder Gemüseomelett oder gesunde Sandwiches oder oder oder, und abends wird der Herd angeschmissen. Natürlich entsteht ein tolles, gesundes Essen mit viel Gemüse und nur den besten Zutaten, im Optimalfall nach Weight Watchers gekocht.
Das macht Frau K. jeden Tag in dieser oder leicht abgewandelter Form, ab und zu gibt es punktekonform was für den süßen Zahn dazu, Käffchen hier und da darf nicht fehlen und und und.
Der Speck schmilzt förmlich weg.

Isst Frau K. aber den ganzen Tag über nur sehr wenig und hat entsprechend viele Punkte übrig am Abend, dann ist dennoch völlig klar, dass es nicht besonders förderlich für die Abnahme sein kann, die verbliebenen 20 Tagespunkte in Süßkram oder Chips umzusetzen. Vor allem nicht an mehreren Tagen hintereinander.
Und dann auch noch plus Teil-Wochenextra!
Da müssen wir einfach mal die Kirche im Dorf lassen.
Punkte hin oder her, auch der Inhalt der Punkte ist wichtig!




Somit bin ich überglücklich, dass die Waage diese Woche dennoch eine Abnahme verkündet!
Die verlorenen 200 Gramm haben mir sogar den dreizehnten Stern beschert, und schon fühlt sich die zurückliegende Woche gar nicht mehr so kacke an, nein, vielmehr fühlt sie sich trotz allem zumindest die Abnahme betreffend richtig gut an!

Seit Samstag übrigens setze ich die Punkte wieder vernünftig um, der Speck darf nun also weiter schmelzen!

Samstag, 2. Juli 2016

Halbzeit!

Auf meine Waage ist Verlass. 
Wenn es auch in mancherlei Hinsicht gerade nicht unbedingt rund läuft, die Abnahme läuft und läuft und läuft.



So konnte ich mir heute morgen eine große Portion Bauchpinselei abholen.
Einhundertvierzehnkommaneun! Für diejenigen, deren Augen-Hirn-Kooperation streikt ob so langer Worte (und da gehöre ich je nach Uhrzeit auch dazu): 114,9! Kilo! Krass!
Ich habe am 30.12.15 mit der Punktezählerei begonnen. 155,3 unfassbare nackte Kilo hatte ich damals zu verbuchen.
Nun sind rund 6 Monate vergangen und ich feiere tatsächlich Bergfest! Nur noch 39,9kg bis zu meinem erklärten 75kg-Ziel.
Der helle Wahnsinn!

Und was sich alles verändert hat!

Ich kann die Arme hinter dem Rücken verschränken, ohne mir dabei fast die Schultergelenke auszukugeln. Nicht, dass ich oft so herumlaufen wollte, aber Leute! Nun KANN ich, wenn ich will!

Ich kann mit den Kindern Fangen spielen. Ja, konnte ich früher auch, aber nun laufen sie mir nicht mehr davon. Ich kriege sie!

Ich kann aus unserem Auto aussteigen, ohne bald vor meinem eigenen Körpergewicht kapitulieren zu müssen. Italienischer Kombi: sportlich, tief, eng. Da kann der Weg aus dem Sitz schier unüberwindbar sein, wenn man sich jenseits der 150kg bewegt. Vorbei! Ich nähere mich der Hochglanzwerbeprospekt-Schönheit, die man einem schicken Auto andichtet. 
Na ja, fast.

Ich habe keine Angst mehr vor unserer Wohnung. Bzw. vor dem dazugehörigen Aufstieg in die dritte Etage. Nun komme ich oben an und kann mich ohne Schnappatmung und Pudding in den Beinen unterhalten. Das Sauerstoffzelt kann in seinem Kabäutzchen bleiben! Jedenfalls, wenn ich keinen 20kg-Einkauf dabei habe.

Ich marschiere, walke, wie auch immer man es nennen möchte, 10, 12 Kilometer. Am Stück! Und es macht Spaß! Keine Schmerzen! Vorbei sind die Zeiten, in denen die 400m zum Bäcker schon weit genug waren, um das Auto zu beanspruchen.

Ich entdecke Knochen, von denen ich ganz vergessen hatte, dass ich sie besitze.
Beckenknochen zum Beispiel. Man kann sie fühlen!
Oder dazu passend ein Zitat meines Mannes: "Du hast ja Rippen! Ich kann sie zählen!" Piek, piek, piek...
Selbst die Schlüsselbeine lassen sich langsam erahnen. Die S C H L Ü S S E L B E I N E !

Die Liste ist wahrscheinlich endlos fortsetzbar.
Dieses Plus an Lebensqualität, an Spaß und Freude am Sein, das ist unbezahlbar.

Es ist völlig egal, was die offizielle WW-Waage am Montag sagen wird, heute feiere ich Bergfest!
Mit und dank euch!

Dienstag, 21. Juni 2016

Veränderungen

Es ist nun gut ein halbes Jahr her, dass ich mich bei Weight Watchers angemeldet habe.
Seitdem haben sich nicht nur meine Figur, sondern auch allerlei andere Dinge, die mehr oder weniger mit dem äußeren Erscheinungsbild zusammenhängen geändert.

1. Ich gehe zu Fuß!
Ha, ist doch nichts besonderes, sagst du jetzt vielleicht.
Nee, für dich nicht...
Früher waren mir selbst die 400m zum nächsten Bäcker zu weit.
Laufen? Ich? No way!
Überhaupt in Erwägung zu ziehen, irgendeine Strecke, und sei es nur hinunter zum Briefkasten, zu Fuß zu absolvieren, war eine mentale Herausforderung höchsten Schwierigkeitsgrades.
Weihnachten gab es extra üppiges Trinkgeld für den Briefträger in der stillen Hoffnung, er nähme das zum Anlass, mir die Post bis hoch zu meiner Wohnungstür zu bringen. Aber Pustekuchen, der dachte wohl auch, das Mehr an Bewegung würde mir nicht schaden.
Eine meiner ersten läuferischen Amtshandlungen vor etwa sechs Monaten bestand darin, die 1,5km zu meiner Mutter per pedes zu bewältigen anstatt wie immer das Auto zu nehmen.
Ich schnaufte wie eine alte Dampflok, schleppte mich Schritt für Schritt vorwärts und dachte, ich muss unterwegs campieren, im Dorfpark mein Zelt aufschlagen, um mich eine Nacht lang zu erholen, bevor ich am nächsten Morgen die restlichen 700m hinter mich bringen könnte.
Habe ich natürlich nicht gemacht - ich hatte mein Zelt vergessen.

Heute latsche ich hin und zurück, und hin und zurück, und hin und zurück. Um anschließend noch 'ne Runde durch die Felder zu drehen und vielleicht zu Fuß nach Frankreich zu laufen.
Da fällt mir ein: Jakobsweg wär mal cool, glaube ich... nächstes Jahr oder so.
Zumindest eine Teilstrecke...

2. Vor allem wenn ich alleine durch die Pampas laufe, schaue ich öfter mal an mir hinunter.
Früher wurde mein Blick vom schwabbeligen Bauch aufgehalten. Boden oder gar Füße waren nicht zu sehen.
Das ist heute anders. Erst kommt Brust, dann kommen Schuhe. Das ist 'ne echt coole Sache!
Nun sehe ich, wenn ich in Exkremente getreten bin. Anstatt es irgendwann im geschlossenen Auto mit Tränen in den Augen zu realisieren.

3. Wo wir schon einmal bei der Brust sind, da gibt es auch etwas zu berichten:
Die hat sich nämlich verzogen, vielleicht nach innen. Möglicherweise füllt der ehemalige Inhalt meiner Brüste nun das immer größer werdende Vakuum im Bauchraum, ich weiß es nicht. Jedenfalls ist obenrum nichts mehr vorhanden, und manchmal - aber nur manchmal - macht mich das echt traurig. Warum nehmen Frauen immer auch an den unpassendsten Stellen ab?
Ich muss darüber mal mit dem coolen Doc reden.
Sie könnten ja in ferner Zukunft, wenn das dann garantiert überflüssig herumhängende Zeug weggeschnibbelt wird, aus dem Material direkt neue Brüste basteln. Aus ökonomischer Sicht wäre das optimal: Ich liege eh da rum, das Team ist vorhanden, mehr als genug Bastelmaterial wird zur Verfügung stehen... eine völlig neue, interessante Interpretation von Nachhaltigkeit.

4. Die Haushaltskasse leidet. Aber sowas von!
Niemand hat mir gesagt, dass Abnehmen so teuer werden wird! Der Monatsbeitrag für WW ist Peanuts, wirklich weh tun die neuen Klamotten. Ich bin lange in den zu groß gewordenen Säcken herumgelaufen, aber irgendwann geht es wirklich nicht mehr. Spätestens, wenn die Hose mitten auf der Straße einen Abgang macht, muss eine neue her! Und ein neues Gesicht am besten gleich mit.
Dazu die Ausgaben für Sport- und Freizeitaktivitäten! Vereinsgebühr, Eintritt ins Schwimmbad, evtl. Fitneßstudio... meine Herren! Früher war Netflix mein Verein. Überschaubarer Monatsbeitrag, keine Kostenfalle. Vor allem musste ich mir keine extra Klamotte fürs Serien-Streamen kaufen.
Und die Freizeitaktivitäten mit den Kindern erst!
Früher bestand unser Nachmittag darin, es uns zu Hause gemütlich zu machen, jedenfalls war das mein Anspruch an Aktivität, und die Kinder mussten wohl oder übel mitziehen. Allenfalls mal Treffen mit Kindergartenfreunden, das war dann aber auch das Höchste der Gefühle.
Nun fährste hierhin, fährste dorthin, IMMER auf den Spielplatz ist auch langweilig...
Money, money, money...
Von der neuen Brille, die sicher irgendwann kommen muss - oder doch Linsen? - ganz zu schweigen.

5. Alle sind furchtbar nett zu mir.
Selbst wenn ich noch nicht am Ziel bin, ganz und gar nicht, habe ich nun sichtbar abgenommen und Hinz und Kunz honoriert das auf seine Weise. Wildfremde Menschen - so dachte ich - kommen auf einmal an und erklären mir freudestrahlend, wie froh sie sind, dass ich endlich die Kurve bekommen habe.
Äh... Entschuldigung, kennen wir uns?
Dienstleister, der tägliche Einkauf im Supermarkt oder beim Bäcker, Kindergartenpersonal, selbst das Tanken... alle sind total nett und freundlich zu mir.
Das liegt natürlich nicht nur einfach am schlankeren Erscheinungsbild, sondern auch daran, dass sich mit der Abnahme meine Ausstrahlung ziemlich verändert hat, dass ich offener, netter und freundlicher geworden bin.
Auf einmal grüßen mich wildfremde Männer, die auf dem Fahrrad an mir vorbeibrausen. Was ist denn da los?!

6. Es geht nahtlos weiter: Alles dauert länger!
Wir erinnern uns an Punkt 5: Alle sind nett. Daraus resultiert: Alles dauert länger.
Hier ein Pläuschchen, da ein Nachfragen - Mensch, wie machst du das?! Und ich werde (bisher) nicht müde, von Weight Watchers zu schwärmen - Quatschen hier und Smalltalk da. Das will in der Zeitplanung berücksichtigt werden!
"Mal eben" das Kind aus dem Kindergarten holen ist nicht mehr. Stattdessen hangelt man sich von Schwätzchen zu Schwätzchen, um irgendwann, drei Stunden später, beim Nachwuchs angelangt zu sein. Um dann panisch festzustellen: "Verflixt, du musst ja das zweite Kind auch noch abholen!"

7. Mein Mann entwickelt so etwas wie Eifersucht.
Eine Szene vor einigen Wochen. Wir verbringen ausnahmsweise mal Zeit miteinander, fahren ich weiß gar nicht mehr wohin. Passieren einen recht ordentlich trainierten Herrn, der den Bürgersteig entlangtrottet.
"Hast du dem aufgepumpten Typen gerade etwa nachgeguckt?"
"Hä? Wer bist du denn? Und wo ist mein Mann?"
So etwas kenne ich gar nicht!
Und ja, vielleicht hat sich mein Kopf im Vorbeifahren ein klein wenig in Richtung des Typens gedreht, aber doch nur, weil der so coole Schuhe anhatte!

Man darf gespannt sein, was die kommenden Monate noch so bereit halten an Überraschungen.

Freitag, 27. Mai 2016

Scheißhausidee #2

Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode unserer beliebten Serie "Scheißhausideen"!

Sonntagmorgen (eigentlich Donnerstag, aber hier in NRW war Feiertag, also Sonntag, ihr versteht... FREI!), 7.30 Uhr in einer heimeligen Küche am Niederrhein.
Dem Muup ist völlig egal, ob Werk-, Sonn- oder Feiertag ist, spätestens ab 7 Uhr morgens möchte er bespasst werden.
Meine Zeit war das noch nie, und so sitze ich - Streichhölzer zwischen die Augenlider geklemmt - am Küchentisch vor meinem Wässerchen und versuche, im Hier und Jetzt anzukommen.
Plötzlich ertappe ich mich bei der Überlegung, wann ich denn heute wohl am besten das Laufen in den Tag einbauen könnte. Sollte ich vielleicht jetzt vor dem Frühstück bereits eine größere Runde drehen?

Moment, habe ICH das gerade gedacht? Noch vor dem ersten Kaffee?
Bewegung? Laufen? Morgens?
Die Couchpotato ist augenscheinlich tatsächlich in der Aktivität angekommen. Nicht zu fassen.

In diesem Moment düdelt mein Handy, am anderen Ende von WhatsApp die beste Abspeckfreundin:
"Wann sollen wir laufen? Bin fit."
Wir einigen uns schnell auf "jetzt", und 20min später stehe ich fertig angezogen - aber immer noch ohne ersten Kaffee - bei ihr auf der Matte.
Fürs Laufen reichen die Waldklamotten von gestern, habe ich mir gedacht. Sind zwar etwas angestaubt, aber in den Feldern sieht uns ja niemand.

Wir marschieren los, schnäbbeln und walken, Hunde-Opa Spike ebenfalls mit von der Partie.
Die Sonne lacht vom strahlendblauen Himmel, aufgeregte Vögelchen zwitschern enthusiastisch ihren leisen Morgengesang, und es lässt sich bereits erahnen, dass der Tag warm werden wird.
Wir genießen die angenehme Stille.
Kein Wunder, dass es ruhig ist. Um diese Zeit an einem Feiertag schlafen alle!
Nein, FAST alle. Zwei bekloppte Hühner latschen durch die Landschaft.

Wir laufen vor uns hin, Kilometer um Kilometer, und plötzlich türmt sich der hiesige Obsthof vor uns auf.
"Ey, der hat ja auf! Frische Erdbeeren!"
Augenblicklich läuft uns beiden das Wasser im Mund zusammen. WIr sind da ganz ähnlich konditioniert. Das Bild einer Erdbeere reicht aus, um die Speichelproduktion aus dem Ruder laufen zu lassen.
Ich bleibe mit Old Spike draußen, meine Freundin entert den Hofladen.
"Willst du auch nen Apfel für unterwegs?" erscheint sie wenig später in der Tür.
Abgenickt verschwindet sie Richtung Kasse.
33 Euro und ein paar Zerquetschte vernimmt mein feines Öhrchen, und obwohl ich nie gut war in Mathe und dieses Fach sogar damals in Stufe 12 abgewählt habe, ist mir sofort klar, dass das nicht nur Erdbeeren und zwei Äpfel sein können.

"Ich hab direkt noch ein bißchen eingekauft", kommt sie zurück, in der rechten Hand 2kg Erdbeeren (für jeden eines), in der linken Hand eine prall gefüllte Tüte: 8 dicke Grillwürstchen, 10 Eier, eine stattliche Schinkenwurst, unsere beiden Äpfel, und last but not least das Highlight: 1 Liter Milch. In der Glasflasche.
Rund 4km von zu Hause entfernt.

Inzwischen ist es knackig warm in der Sonne.
Da wir beide trotz erfolgreichen Abspeckens noch nicht unter Grashalmen Platz finden, ist Schatten Mangelware - ebenso wie Hände. Tüten, Erdbeeren, Hundeleine - als wir dann noch am Bäcker Halt machen, um frische Brötchen fürs Frühstück einzusammeln, bekommen wir ein leichtes Koordinations- und Organisationsproblem.
Doch für erprobte Doppelmütter, wie wir es sind, gibt es "zu wenig Hände für zu vieles auf einmal" schlicht und ergreifend nicht. Irgendwie passt es immer, und wenn man sich eine Kleinigkeit übers Ohr hängen muss.
Wild entschlossen stapfen wir weiter - nur noch 3km!
Nun ja, wir haben auch keine Wahl. Unverständlicherweise hat sich niemand bereit erklärt, wenn schon nicht uns, dann wenigstens das Gepäck abzuholen und nach Haus zu bringen.

Old Spike fragt sich bereits seit dem Obsthof, womit er diesen Gewaltmarsch verdient hat und wünscht sich in sein Hundebett unter der Treppe, und uns läuft inzwischen wärmegeplagt die Suppe am Körper runter.
Bepackt wie südamerikanische Maultiere marschieren wir stoisch weiter, reißen Meter um Meter runter, die Arme werden immer länger, die Klamotte feuchter und feuchter.
Immerhin passt die angestaubte Waldkleidung nun zum restlichen Erscheinungsbild: Gerötetes Gesicht, das Haupthaar klebt stellenweise in feuchten Strähnen am Kopf, und der Schweiß steht auf der Stirn und - Katastrophe! - rinnt in die Augen. Schon mal versucht, sich die Augen zu säubern mit dem Frühstück einer vierköpfigen Familie (samt Glasflasche), Erdbeeren und Hundeleine in den Händen? Äh... ja. Genau.

Zum Glück hat sich meine beste Abspeckfreundin beim Bäcker das Baguette verkniffen, das hätte sich einer von uns unter den Arm klemmen müssen...
Muss ich das noch näher ausführen?




Unschwer zu erkennen: Wir haben es geschafft!
Wir sind nach insgesamt rund 10km zu Hause (bzw. ich an meinem Auto) angekommen. Mit Hund und sämtlichen Einkäufen. Nichts und niemand ist auf der Strecke geblieben. Fast nicht zu glauben.
Und ich bin sehr beruhigt, dass mir meine Freundin in Sachen "Scheißhausideen" in nichts nachsteht. Im Gegenteil: Wir ergänzen uns da perfekt, und natürlich haben wir den ganzen Weg viel gelacht.

Am meisten über uns selber.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Wie eine Feder im Wind

Gepackt vom zarten Griff der Natur wird sie auf unsichtbaren Schwingen durch die Luft getragen, von rechts nach links gestupst, sie dreht sich flatternd um die eigene Achse und trudelt auf und ab. Ein fröhliches Tänzchen aufführend, in der einen Sekunde ruhig innehaltend, um gleich darauf wild und unbändig über die Spitzen der Gräser zu wirbeln.
Willenloser Spielball des Windes.

Früher war ich wie diese Feder.
Allerdings nicht vom Winde verweht - der hätte mich nicht einen Millimeter vom Boden heben können.
Wenn damals die ersten Herbststürme einsetzten, haben wir - ich am allerlautesten - oft gescherzt, dass mein Mann, der Spargel, sich die nächsten Wochen besser nicht hinaus traute, sonst würde er mit seinen 60kg Lebendgewicht sofort weggeweht werden. Etwas, was mir hingegen unter keinen Umständen geschehen konnte. Während um mich herum ein Orkan die Dächer abdeckte, hätte ich wie festgemauert in der Erde mitten im Getose gestanden und keinen Zentimeter Boden abgegeben.

Ich war nie ein Spielball des Windes, willenlos aber war ich sehr wohl.
Ich hatte eine viel zu lange Zeit keinerlei Kontrolle. Weder über mein Gewicht, noch über den fiesen Kram, mit dem ich meinen Körper (und mehr meine Seele) fütterte, am allerwenigsten über mein Wohlbefinden.
Wie fremdgesteuert wurde ich ebenso durch die unterschiedlichen Zustände des Seins geschubst, wie diese Feder vom Wind bespielt wird.
Wut, Angst, Resignation, Verzweiflung, Selbsthass, Ekel.
Ich trudelte von einem Extrem ins andere, getrieben von Unsicherheit und dem Bedürfnis, meine vermeintlichen Defizite mit Essen zu kompensieren hatte ich die Kontrolle über mein Eßverhalten gänzlich aus den Händen gegeben und ließ mich treiben von meinen zum tagesaktuellen Gemütszustand passenden Gelüsten. Wurde hin und her gestupst zwischen Kühlschrank und Couch, drehte mich oft auf der verzweifelten Suche nach was Verschlingbarem mehrfach um die eigene Achse, allerdings nie in der Luft tänzelnd wie ein zarter Schmetterling, sondern schwerfällig stampfend wie ein dickes Nashorn.

Im Dezember kam der Tag, an dem ich mir die Kontrolle über mich und mein Handeln zurückerobert habe, und das war mehr als überfällig!
Inzwischen fühle ich mich nur noch leicht wie eine Feder, ich bin aber kein Spielball der gefühlten Willkür mehr!
Zwar gleiche ich vom Erscheinungsbild her immer noch eher Nashorn als Gazelle, aber ich bin immerhin nicht mehr als maximal aufgeplusterter Kugelfisch unterwegs, sondern habe mir durchaus wieder eine ganz annehmbare Form erarbeitet. Wenn auch eine prall gefüllte Form.
Ich fühle mich großartig! Als könne mich jeden Moment eine kleine Böe in die Luft steigen und fliegen lassen. Ist natürlich Quatsch, es sei denn, ich mutiere zu einer leeren Plastiktüte, aber das Gefühl, sich im wahrsten Sinne des Wortes selber zu erleichtern ist der Wahnsinn nach all den Jahren im trüben Nebel des Mit-sich-geschehen-lassens.

Ich bin meine eigene Herrin!
Keine Sklavin meines Seelenzustandes, andersherum wird ein Schuh draus: Mein seelisches Befinden hängt davon ab, wie ich mit mir umgehe.
Ich habe in der Hand, was mit mir und meinem Körper passiert, womit ich mich ernähre, ob ich dick und mit Miesepeter-Flunsch oder schlanker werdend mit einem Lächeln auf den Lippen durchs Leben gehe. Tanze.
Es ist ganz alleine meine Entscheidung, ob ich in den Punkten bleibe oder eskaliere.

Der Wind wird wahrscheinlich immer die Kontrolle über die Feder haben, aber nichts und niemand außer mir hat die Kontrolle über mich!

Dienstag, 24. Mai 2016

Das ganze Geheimnis

"Na hör mal, du bist aber noch weniger geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, oder?"
Grinsend nicke ich. "33kg sind jetzt weg... etwa."
"Na guck, es waren 24!" staunt sie. "Wie machst du das?"

Ja, wie mache ich das?
Die Frage wird mir gerne gestellt.

Weight Watchers, so die lapidare Antwort.
Viel mehr kann ich dazu nicht sagen, denn ich habe keinen Masterplan "Operation Abspeckmarathon" in der Schublade liegen. Ich denke nicht darüber nach, ich mache es einfach.
Als ich beschlossen habe, dass Weight Watchers die richtige Wahl ist, um meinem übertriebenen Speckvorrat zu Leibe zu rücken, habe ich mich ins Programm eingelesen - ich gehöre zu den Menschen, die in der Regel nur einmal lesen müssen und dann nahezu auswendig kennen, manchmal Fluch, meistens Segen - und es dann umgesetzt. Ohne Wenn und Aber.

Gerade bei diesem schrecklichen Thema Übergewicht habe ich mich viel zu lange meinem Schicksal ergeben und war der Meinung, ich bin eine von denen, die immer dick (fett) sein werden, die gar nicht abnehmen oder gar schlank bleiben können.
Ich habe alle Hoffnungen unter meinem Fettberg begraben, mich auf die Couch fallen lassen und höchstens noch bewegt, um mir etwas zu essen zu holen oder auf der Toilette Platz für neues Essen zu schaffen.
Doch als ich mich endlich aufraffen konnte, als ich entschieden habe, dass nun Schluss sein müsste, dass ich genau jetzt damit anfangen würde, ein besseres, ein gesünderes Leben zu führen, ab dem Zeitpunkt war diese Entscheidung unumstößlich.
Es dauert zwar manchmal lange, bis es so weit ist, aber wenn ich mich aus dem Herzen für etwas entscheide, dann ziehe ich das durch. Konsequent. Bis zum Ende.

In der Hinsicht geht es bei mir auch nur nach dem Motto "ganz oder gar nicht".
Lasse ich schleifen, dann ist die Gefahr groß, dass ich zurückfalle in alte Muster.
Daher zähle ich IMMER Punkte. Sei es nun beim auswärts-Frühstück mit dem Mann, an Geburtstagen, Feiertagen, Treffen mit Freunden, alleine zu Hause in meinem Kämmerlein... IMMER!
Weight Watchers ist keine temporäre Diät, Weight Watchers ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung, eine Lebenseinstellung. Letztendlich ist es "nur" gesunde Ernährung, im Moment des Lerneffektes wegen noch gestützt durch die Pünktchen.
Gesund ernähren kann und sollte ich mich an jedem Tag, egal, ob da irgendwann mal meine Mutter, Jesus oder der Konsum geboren wurde.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich esse Schokolade, Fast Food, Chips, Eis, Kuchen, trinke manchmal viel zu viel Kaffee mit viel zu viel Milch (und schreibe mir konsequent nur 3 EL für 1 Punkt auf), aber ich bewege mich dabei immer in meinen Punkten. Inklusive Wochenextra natürlich.

Wenn ich dieses böse, aber so leckere Zeug nicht in meine Ernährung einbaue - unter dem Motto "Qualität statt Quantität" - dann macht Weight Watchers für mich keinen Sinn.

"Ja, aber mit so vielen Punkten ist das ja auch kein Problem!" höre ich den ein oder anderen jetzt.
Ja, ich habe 45 Tagespunkte, und natürlich ist es mit 30 Tagespunkten deutlich enger, aber ich habe mit 58 Punkten angefangen, also bereits 13 eingebüsst, und glaubt mal, das merke ich durchaus schon und muss anfangen, sparsamer zu werden.
Letztendlich gehört das aber nun mal dazu. Von nichts kommt nichts. Möchte man abspecken, dann muss man an Nahrung sparen bzw. viel Gemüse und Punktearmes einbauen. Dass ich mir nicht jeden Abend die Schokolade oder nachmittags den Kuchen reinziehen kann, wenn ich dünner werden möchte, ist doch klar.
Das ist der Preis, den wir bezahlen für ein schlankeres, zufriedenes Leben.

Die schwierigste Aufgabe für mich persönlich bei dieser ganzen Abspeckerei war die Erkenntnis und die dazugehörige Akzeptanz, dass ich nun mal nicht zu den Menschen gehöre, die essen können, was sie wollen, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Dass ich nie dazugehören werde. Ganz fies und höchster Schwierigkeitsgrad: Mein Partner ist solch ein Mensch.
Ich bekomme die volle Dröhnung "perfekter Stoffwechsel" jeden Tag vorgesetzt und sitze verzweifelt den Kopf schüttelnd und "Waaaaruuuuum nuuuuur?!" jaulend daneben und schaue zu, wie er sich kiloweise die Süßigkeiten reinschiebt. Oder fettes Essen. Oder sein Feierabend-Bierchen trinkt. Oder oder oder.

Ich werde IMMER auf meine Ernährung achten müssen, werde IMMER mit den Kilos zu kämpfen haben. Das ist nun mal so. Punkt.
Also muss ich mein Leben danach ausrichten, wenn ich nicht wieder fett werden möchte.
Diesen Preis habe ich zu bezahlen, und wenn das bedeutet, dass ich nicht jeden Tag dieses oder jenes essen kann, dann nehme ich das gerne in Kauf.
Denn was ich dafür bekomme, ist so viel wertvoller als das Stück Schokolade.
Gesundheit. 
Lebensfreude. 
Selbstachtung. 
Zufriedenheit. 
Strahlende Kinderaugen. 
Fitness. 
Spaß am Sport. 
Anerkennung und Komplimente.

Deswegen zähle ich Punkte.
Deswegen verzichte ich und gönne mir trotzdem in Maßen (klingt widersprüchlich? ist es aber nicht.).
Deswegen latsche ich nachts 3km zu Fuß nach Hause.
Deswegen laufe ich mir tagsüber die Hacken wund.
Deswegen stelle ich mich in ganz naher Zukunft zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder auf ein Badmintonfeld (Gott, was bin ich aufgeregt! Ich nehme noch Wetten entgegen, nach wie vielen Minuten ich auf allen Vieren kriechen werde.)

Deswegen lebe ich Weight Watchers.
Nicht lange darüber nachdenken, was wäre wenn und hätte, könnte, sollte... MACHEN!